GEDENKFAHRT der 8A/B nach MAUTHAUSEN

Im Geschichtsunterricht der 7. Klasse ist das Thema Verfolgung zur Zeit des Nationalsozialismus zu behandeln. Es ist ein großer Unterschied, ob man sich der Vergangenheit akademisch oder emphatisch nähert. Eine Gedenkfahrt von reifen jungen Menschen ist daher auch für uns Lehrerinnen und Lehrer immer ein besonderes Ereignis. Im Anschluss bitten wir die jungen Menschen, Reflexionen zu schreiben, die immer sehr beeindruckend sind. Einige Ausschnitte aus diesen Arbeiten sollen hier wiedergegeben werden. Verkürzt und aus dem Kontext genommen geben sie trotzdem einen kleinen Einblick in die Gedanken unserer Jugendlichen.

„Der Besuch in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen hat eine große emotionale Betroffenheit in mir hervorgerufen und mich zutiefst schockiert. Natürlich war mir davor schon bewusst, was für schreckliche Untaten an diesem Ort geschehen waren, aber es mit eigenen Augen zu sehen, ist unbeschreiblich erschütternd.“ (Florence)

„Im letzten Raum war die Gaskammer, dies war auch der Punkt der Führung wovor ich am meisten Angst hatte. Doch um ehrlich zu sein, dachte ich es wird schlimmer, als es tatsächlich war, das bedrückendste in dem Raum hat eigentlich in meinem Kopf stattgefunden. Ich hatte das Gefühl die Schreie der Menschen zu hören und stellte mir die Todesangst vor, den letzten Augenblick den man in seinem Leben hat und dann diesen in einem engen, mit Menschen vollgepferchten, verkachelten, kaltem Zimmer zu verbringen. Weswegen? Nur weil ein Mensch meint, ein Leben sei weniger wert als das von einem anderen.“ (Leonie)

„Ich möchte sagen, dass egal wie schlimm ich mir das vorstelle, bin ich doch überzeugt davon, dass es noch um ein Vielfaches grausamer und brutaler gewesen ist. Denn heutzutage in Mitteleuropa kann man sich diese Brutalität und allgemein Lebensumstände, wenn man hier überhaupt von Lebensumständen reden kann, nicht vorstellen.“ (Julian)

„Der gesamte Ausflug war wirklich bedrückend, jedoch ist es wichtig all dies mit dem eigenen Auge gesehen zu haben. Denn wenn man diesen Ort in Vergessenheit geraten lässt, steigt die Gefahr, dass die Geschichte sich wiederholt.“ (Lenny)

„Doch am erschreckendsten war die Gaskammer. Die unfassbare Hässlichkeit und die Tatsache, dass Menschen dazu fähig sind, einen anderen Menschen, der ihnen nichts getan hat, der vollkommen ausgeliefert und verzweifelt ist, zu vergasen, hat mich tief verstört.“ (Vicki)

„Ich sah so viele kyrillische Tafeln aus Jugoslawien, teilweise mit Nachnamen von Freunden (was wahrscheinlich Zufall ist, aber dennoch hart, wenn man es sieht) und ich versuchte jeden Namen in diesem Raum zu lesen und ihn aufzunehmen und nie zu vergessen, was damals passiert ist. Der nächste Raum war der „Raum der Namen“ und in diesem konnte man sich zum ersten Mal ein Bild machen, wie viele Menschen tatsächlich in diesem Lager ums Leben gekommen sind. Wenn man hört 80.000 – 100.000 ist man natürlich geschockt, aber man kann sich nichts Konkretes vorstellen, doch die Anzahl der Namen auf diesen Glastischen war überwältigend.“ (Julia)

„Eigentlich ist es schwer zu glauben, dass der Mensch zu solchen Taten fähig ist. Die Frage, die ich mir seither stelle ist, ob wir, also die Menschheit, aus dieser Fehlentscheidung, dieser Barbarei oder dieser Unmenschlichkeit tatsächlich gelernt hat? Ist es möglich, dass sich die Geschichte in dieser Hinsicht wiederholt? Werden nicht heutzutage Flüchtlinge in Flüchtlingslagern wirklich unmenschlich behandelt? Ist Gewalt nicht oft die gewählte Option, um sich gegenüber anderen Gemeinschaften durchzusetzen?“ (Adrian)

„Aus dem Unterricht, den sie (die Schülerinnen und Schüler, Anm. Red.) bis zu diesem Zeitpunkt hatten genießen dürfen, war ihnen der Spruch „Est homo homini lupus.“ bekannt gewesen – allein, sie hatten ihn nie so ganz verstanden. Bislang, denn als sie den Fuß an diesen Ort gesetzt hatten, war ihnen klar, offenbar geworden, welche Unmenschlichkeiten, für die sie, die Menschen von heute, keine Adjektive mehr fanden, weil sie der Menschheit in ihrem Sprachrepertoire fehlten, Menschen anderen Menschen antun konnten – noch viel größere, als es auch nur irgendein Wolf hätte können. Sie pilgerten, gesenkten Hauptes, leise mitsammen flüsternd, aus jenem Verschlag heraus, hinaus auf den nunmehr asphaltierten, …, Platz… . 

Tags darauf war einer von ihnen wieder bei den Kindern, seinen Kindern (im Ute- Bock Bildungszentrum, Anm. Red.), die doch nicht seine waren, bei den Menschen, die es in der Hand hatten, so wie eigentlich auch er, wie sie alle, die sie dort waren, solches nicht noch einmal passieren zu lassen, denen er helfen konnte, denen er helfen wollte – und alles war wieder gut! Denn diese hatten keine Ahnung von all dem Unheil, das sich einst auf dieser Murmel zugetragen hatte, und von all dem, was noch auf dieser Murmel auf sie warten würde. Drei Stunden später trank er Kaffee und spielte Klavier. Er hatte dadurch seinen Kopf frei bekommen und hatte Gelegenheit, seine Seele alles verarbeiten zu lassen, auch jenes, was sich bei ihm im Privaten zugetragen hatte. War er doch unglaublich. Und auf dem Nachhauseweg beobachtete er in der U-Bahn all die Menschen, die kreuz und quer unter dieser Stadt, dieser so wunderbaren, im Herzen Europas, der Hochburg der Menschlichkeit, so mochte man meinen, hin und her fuhren. Sie schienen keine Notiz davon genommen zu haben. Sie schienen es verdrängt zu haben. Auch, dass sie mittelbar nicht mehr Menschen, wie jene, damals, ermordeten, in Lagern, sie aber dennoch Menschen, Menschen!, mutwillig sterben ließen, weil eben Lager brannten. Hätten sie sonst so unbeschwert umherirren können? Er wusst’s nicht, nur, dass er nicht mehr, nie mehr, so unbeschwert einfach von A nach B reisen konnte, ohne das Große und Ganze nicht im Blick zu behalten.“ (Alexander)

Prof. König/ Prof. Macek                                                                              
Fotos von Alexander Leithner (CC BY-SA 4.0)